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Warum die medizinische Industrie kein Interesse an der Gesundheit hat


Ein Versicherungsfachmann sagte es am 22.  August 2007 auf Schweizer Radio DRS in der Sendung Espresso so: Zusatzversicherungen decken Leistungen ab, welche medizinisch nicht notwendig sind. Sie stellen somit ein Luxus-Zusatzangebot dar.
Dieser Herr vertritt selbstverständlich auf der ganzen Linie die öffentliche Meinung, welche für die medizinische Versorgung in unserem Land das Zepter tragen: Dazu gehören die Krankenkassen, ein Teil der Ärzteschaft, die Pharmaindustrie und die Medizinaltechnik, sowie die durch Verwaltungsratssitze und Aktienpakete verbundenen Politiker, hinauf bis zum Bundesrat.


Da fühlt man sich nun als in der Komplementärmedizin arbeitender Therapeut verraten. Die eigenen Leistungen, die man erbringt werden als schöne Nebenbeschäftigung angesehen und sozusagen gerade noch geduldet. Erforderlich für die Gesundheit des Volkes sind sie nicht! Stimmt diese Aussage? Oder verbergen sich dahinter andere Interessen?
Paracelsus höchst persönlich, der grosse und vielzitierte Arzt des 16. Jahrhunderts könnte seine Leistungen heutzutage wenn überhaupt, nur noch über die Zusatzversicherungen abrechnen, als medizinische Notwendigkeit würden sie heute jedoch nicht mehr angesehen. Da fragt man sich, wo wir heute eigentlich stehen und welche Impulse denn hinter der ganzen Sache eine Rolle spielen.


Immerhin ist der Aufwand, den komplementäre Therapeuten in der heutigen Zeit erbringen, um überhaupt noch in den entsprechenden Verzeichnissen aufgenommen zu werden, sehr gross. Nebst den finanziellen Forderungen, die sich durch Registrierungsgebühren etc. ergeben, müssen ja auch entsprechende Aus- und Weiterbildungen erbracht und nachgewiesen werden, die ja, nebenbei gesagt, auch nicht gerade billig sind und welche hohen Anforderungen gerecht werden müssen.
Es werden da viele Hindernisse und Belastungen aufgebaut, welche es den Therapeuten immer weniger ermöglichen, Ihre Leistungen wirtschaftlich sinnvoll zu erfüllen. Nichts desto Trotz überleben viele von Ihnen über die Jahre hinweg und erfreuen sich grosser Beliebtheit! Warum? Weil die breite Bevölkerung, viele Patientinnen und Patienten die Sache nicht so sehen, wie die Behörden und die medizinische Industrie es gerne haben möchten.
Obwohl diese Klienten in Kauf nehmen, zusätzlich zu den sowieso hohen Gesundheitskosten, diese Stunden aus dem eigenen Sack zu bezahlen und dies oft auch ohne Rückvergütungsansprüche durch die kranken Kassen, werden diese Leistungen stark beansprucht. Trotzdem werden diese Therapien bei den zuständigen Behörden wenig geschätzt oder gefördert.
Zu den massgebenden Argumenten, weshalb das so ist, muss ganz klar der wirtschaftliche Faktor beachtet werden. Die medizinische Industrie braucht immer höhere Umsätze, um das Wachstum zu garantieren (und um den Managern Ihre satten Provisionen zu bezahlen). Dies ist notwendig, um international mithalten zu können. Eine solche Entwicklung hat selbstverständlich Einfluss auf das Aktienkapital der Firmen und auf die Gewinne der Aktionäre, die wiederum das „Blut“ im Getriebe dieser Konzerne bilden.


Man kann es auch im Klartext formulieren:
Unsere Gesundheit wird vom weltweiten Finanzsystem geprägt, vom Kostendruck in der sogenannten hochheiligen Globalisierung. Dieses System ist so angelegt, dass es Wachstum und Optimierung von denjenigen Firmen und Konzernen verlangt, welche im „grossen Spiel“ mit dabei bleiben wollen. Es verlangt immer neue Produkte und hohe Verkaufszahlen. Um dies zu erreichen, müssen immer wieder neue potentielle Kunden gefunden werden. Wie heisst es in den entsprechenden Schulungen doch immer so schön: „Kunden finden, Kunden binden!“ Nun sind die Kunden aber die kranken Menschen und nicht die Gesunden! Und darin liegt das Paradox! Um die Verkaufszahlen zu steigern muss die Kundenzahl erhöht werden, mit anderen Worten, die Krankheit muss zunehmen. Macht doch Sinn diese Logik, oder? Um die Verkaufszahlen zu steigern, sind zwei Dinge schlecht: Gesunde Menschen und tote Menschen. Aber auch akute Krankheiten bringen nicht wirklich das grosse Geld. Idealzustand sind: Chronische Krankheiten und Seuchen!


Nun versteht man, wie wenig Platz ein Paracelsus in unserer Zeit hätte: Er wollte die Menschen heilen. Er führte chronische Leiden in den Akutzustand über und heilte diesen! Das genaue Gegenteil findet man heute: Aus akuten Krankheiten und Krisen werden chronische gemacht!
Würde die medizinische Industrie wirkliche Heilabsichten haben (alleine das Wort ist heutzutage schon verpönt: „Heilen“!), so würde sie sich selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen!


Eine Zusatzbemerkung: Die Ärzteschaft steht in einer sehr schwierigen Rolle dazwischen in diesem System, zwischen dem Geloben nach Heilerfolg und dem wirtschaftlichen Druck von Seiten der Industrie und der Politik. Auf ihnen liegt eine grosse Verantwortung für die zukünftige Entwicklung, weil sie die Schnittstelle zwischen zwei entgegengesetzten Interessengruppen bilden.


Gibt es da noch Hoffnung?
JA!
SIE sind die Hoffnung, SIE die sie dies lesen und überdenken, innerlich bewegen…
…und weitertragen!


Urs Weth, Kunsttherapeut